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Meer. Jung. Frei.
Dunkel Hell

Meer. Jung. Frei.

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  • Auf einem Segelschiff unterwegs, ohne festen Wohnsitz – dafür Meer, im Sonnenuntergang springende Delfine und Erlebnisse, die für immer im Gedächtnis bleiben werden – seit einem halben Jahr ist dieser Traum die Realität einer kleinen Crew. Mit dabei die ehemalige Bamberger Studentin Janina Storjohann. Sie spricht mit unserer Autorin über Tomatenplantagen, Schlafentzug und ihr Zuhause – das Segelschiff Principessa.

Du hast in Bamberg Geografie studiert und jetzt bist du mit einem Segelschiff auf dem Atlantik und dem Mittelmeer unterwegs. Wie ist es dazu gekommen?

Janina: Dass ich das jetzt mache, hängt wirklich mit meinem Studium zusammen, weil ich bei dem Studierendenverein EGEA für Geographen war und da über einen Kongress in der Schweiz meinen jetzigen Freund, den Mike kennengelernt habe. Für ihn war es schon immer der Traum so eine Reise zu machen und das war auch eine der ersten Fragen an mich, ob ich mir sowas auch vorstellen kann.

Und wann hat die konkrete Planung angefangen?

Das ging recht schnell, das Datum war auch schnell fix. Aber ich musste natürlich erst meinen Bachelor fertig machen. Und weil so eine Reise natürlich auch Geld kostet, bin ich danach in die Schweiz gezogen, um dort die nächsten 1 ½ Jahre zu arbeiten. Da war ich bei Migros, einem der größten Detailhändler in der Schweiz und war zuständig für Fairtrade‑, Bio- und UTZ-Label und die Kooperation mit Firmen, die hinter diesen Labeln stehen.

Hat dein Studium einen großen Einfluss darauf, wie du die Reise wahrnimmst?

Ja, auf jeden Fall. Da sind so spannende Faktoren, wie der Vulkanismus, der hier auf den Kanaren wirklich einzigartig ist. Das macht mir dann schon Spaß, den anderen zu erklären, wie das alles entstanden ist.

Gab es vor der Reise Momente, an denen du gedacht hast, das wird das alles zu viel, ich schaff das doch nicht?

Ja, das eine Mal war ziemlich am Anfang, während wir das Boot fertig gemacht haben. Es ist ein sehr altes Boot, 40 Jahre alt und wir haben die ganze Elektrik selbst neu gemacht. Streichen und alles ging ja noch, aber solche Sachen wie neue Wasserleitungen oder ein neues Klo – da gab es schon diesen Moment, wo ich mir dachte, okay ich habe mir zu viel zugemutet. Und dann einmal während eines Sturms, bei dem wir zwar im Hafen lagen, aber trotzdem Seile gerissen sind. Das war wirklich ein Schockmoment und da habe ich auch daran gezweifelt, ob es wirklich das ist, was ich will.

Wie ist das, wenn ihr auf See seid und euch bei den Schichten abwechselt? Wie lange braucht man, um abzuschalten und dann auch schlafen zu können?

Ich sag mal so: Bei den Standard-Strecken, die so 37/38 Stunden gingen, da habe ich nie geschlafen. Weil ich das gar nicht geschafft habe runterzukommen. Ich habe mich zwar hingelegt, aber konnte einfach nicht schlafen. Ich habe alles versucht, von Hörspielen über Lavendeltropfen, aber nichts hat geholfen. Und bei der großen Überfahrt vom Festland Spanien auf die Kanaren war ich nach 1 ½ Tagen körperlich so fertig, da habe ich mit meinen Klamotten hingelegt und war innerhalb von ein oder zwei Minuten eingeschlafen.

Hast du auch manchmal Heimweh? Ihr habt auch aktuell gar keine Wohnung, oder?

Tatsächlich ist das Schiff gerade mein Zuhause. Und ja, wir haben alles gekündigt und eine kleine Garage für die Lieblingskommode und Sachen, die man nicht auf der Reise braucht. Als ich in die Schweiz gezogen bin war es schwieriger, weil ich mir erst ein neues Leben aufbauen musste. Die Loslösung von der Familie und Freunden hat da also schon stattgefunden. Und man verpasst ja gerade nichts mit Corona.

Wie erlebt ihr diese Pandemie? Habt ihr Angst vor dem was euch erwartet, wenn ihr zurückkommt?

Wir haben schon gesagt, dass wenn sich die Situation nicht massiv ändert, wir diese Reise auch noch bis zu einem dreiviertel Jahr länger machen. Und ansonsten ist es total seltsam. Die Regeln, die existieren betreffen uns so gut wie gar nicht. Das Gute ist, dass zum Beispiel auf den Kanaren der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig ist und diesbezüglich alles erlaubt ist. So konnten wir dort auch einen Tauchkurs und den Schein dazu machen.

Was würdest du sagen, sind deine Top 3 unter euren Ausflügen?

Der erste wunderschöne Ausflug war in Italien nach Alberobello. Das ist ein ganz kleines Dorf und UNESCO Kulturerbe mit kleinen Häuschen, die heißen Trulli und sind ganz weiß verputzt und einfach hübsch anzusehen. Und dann die Wanderung auf Lanzarote auf dem Vulkankrater. Das war Balsam für die Seele. In Spanien haben wir noch eine Tomatenplantage besichtigt und das fand ich eher aus meinem Job heraus spannend sich das alles vor Ort anzugucken. Die ganze Region da unten gilt als größtes Gewächshaus Europas und es war von Anfang an mein Ziel, dass ich in so ein Gewächshaus reinkomme.

Und welche Momente werden dir grundsätzlich am eindrücklichsten im Gedächtnis bleiben?

Wenn ich ehrlich bin, dann sind das die Menschen, die wir kennenlernen. Einfach wunderschöne Persönlichkeiten von innen und außen, die ihren spannenden Lebensweg erzählen. Für mich ist das super oft auch ermutigend, wenn solche Lebenswege manchmal gar nicht so geradlinig erscheinen. Aber sie sind im Hier und Jetzt angekommen und glücklich. Und was uns zum Glück sehr oft passiert, ist, dass wir Wale, Schildkröten und Delfine sehen dürfen. Daran sieht man sich nicht satt und kann gar nicht genug haben.

Danke Janina für dieses spannende Gespräch!

Wenn ihr noch mehr Fernweh bekommen wollt oder noch mehr Fragen zu dieser außergewöhnlichen Reise habt, dann lohnt sich ein Blick auf den Blog “meerjungfrei”. Oder ihr besucht die gleichnamige Instagram-Seite. Und falls ihr nicht genug bekommt, findet ihr auf Spotify sogar noch einen Podcast, der euch über die einzelnen Reiseabschnitte auf dem Laufenden hält.

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