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App statt Uni — Sprachenlernen leicht gemacht?
Dunkel Hell

App statt Uni — Sprachenlernen leicht gemacht?

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  • Egal ob beim Bewerbungsgespräch oder im Urlaub, eine zusätzliche Sprache zu sprechen, ist immer von Vorteil. Trotzdem scheuen viele den Aufwand Vokabeln und Grammatikregeln auswendig zu lernen. Und das, obwohl Studierende nicht auf teure Sprachkurse angewiesen sind, sondern sich jede Menge kostenloser Kurse des Sprachenzentrums im Studium Generale anrechnen lassen können. Wem die aber gerade nicht in den Stundenplan passen oder diese zu viele böse Erinnerungen an den Schulunterricht hervorrufen, der hat noch eine andere Möglichkeit: Sprachlernapps.

Bei dem Versuch Spanisch zu lernen, habe ich mich schon durch mehrere Apps geklickt. Drei davon möchte ich vorstellen. Duolingo, babbel und busuu gehören zu den beliebtesten Sprachlernapps und sind keine reinen Vokabeltrainer, sondern wollen alle Aspekte des Sprachenlernens abdecken. Man kann sie auf dem Laptop und den meisten Smartphones nutzen und sie versprechen, dass man eine Sprache mit nur 10–15 Minuten Aufwand am Tag erlernen kann.

Duolingo

Die wichtigste Information für Studierende, die notorisch pleite sind: Alle wichtigen Funktionen von Duolingo sind kostenlos, auch wenn es In-App-Käufe gibt. Duolingo möchte Bildung allen kostenlos zugängig machen. Deshalb können Nutzer mithelfen die Sprachkurse zu gestalten.

Die Übungen sind einfach gestaltet. Zuerst ordnet man die Vokabeln Bildern zu, dann verwendet man sie in ganzen Sätzen. Je weiter man vorankommt desto länger und komplexer werden sie und durch Wiederholungen bleiben die Vokabeln wirklich sitzen. Auch die Hörverstehensübungen dürfen natürlich nicht fehlen, praktischerweise hat Duolingo bei den meisten Sprachen einen extra Botton, um sich alles nochmal langsamer anhören zu können. Spanier haben den leider nicht.

Das große Manko der App: Der Grammatikteil kommt zu kurz. Duolingo folgt dem „learning by doing“-Prinzip, bei dem man so lange ausprobiert, bis man die richtige Form des Wortes herausgefunden hat. Für die spanische Grammatik fehlt die Erklärung hinter dem Prinzip, die umso wichtiger wird, je weiter man in einer Sprache fortschreitet. Bei hingegen gibt es Erklärungen zur Grammatik.

Schön ist die Möglichkeit Freunde hinzuzufügen und ihren Lernfortschritt mit dem eigenen zu vergleichen, um ein wenig Motivation zum Weitermachen zu sammeln. Duolingo plant außerdem gerade die Möglichkeit von Sprachtreffen damit ihr eure Kenntnisse auch praktisch anwenden könnt. Zurzeit kann man als deutscher Muttersprachler Englisch, Spanisch und Französisch lernen. In der englischsprachigen Version hat man deutlich mehr Auswahl, muss allerdings mit zwei Fremdsprachen gleichzeitig umgehen. Für sichere Englischsprecher ist es gute Möglichkeit. Es gibt über 20 Sprachen zur Auswahl, sowohl Weltsprachen wie auch regionale Sprachen wie Irisch und sogar fiktionale Sprachen wie Klingonisch. Weitere Sprachkurse sind in Arbeit. Außerdem bietet die englische Version weitere Funktionen wie kurze Geschichten mit bereits erlerntem Vokabular. Da sich Duolingo ständig in der Weiterentwicklung befinden, kann man hoffen, dass die Mängel der App noch ausgebessert werden.

Babbel

Babbel ist dank seiner „Alien“-Werbung wohl die bekannteste Sprachlernapp und man merkt den Einheiten an, dass sie von Experten gestaltet wurden. Die einzelnen Lektionen sind abwechslungsreicher gestaltet als bei der kostenfreien Konkurrenz. Es gibt unterschiedliche Aufgabentypen vom reinen Nachsprechen über das Zuordnen von Wörtern bis zu Dialogen, die Alltagssituationen wiederspiegeln. Außerdem wird per Mikrofon die Aussprache kontrolliert. Das funktioniert bei ruhiger Umgebung ziemlich gut, schwieriger wird es, wenn gerade die Mitbewohnerin im Nebenzimmer staubsaugt.

Babbel gibt Grammatiktipps und erklärt Regeln, statt nur auf Wiederholung zu setzen, wie es Duolingo macht. Das hat aber auch seinen Preis, ein Abo kostet je nach Vertragslaufzeit zwischen sechs und 13€ den Monat. Man kann vierzehn verschiedene Sprachen lernen, darunter die meisten wichtigen europäischen Sprachen und zum Beispiel auch Indonesisch.

Sprachen lernen mit Babbel. Foto: Anna Siemer

Busuu

Die Lerneinheiten von busuu sind ähnlich gestaltet wie bei Babbel. Neue Vokabeln werden zusammen mit Beispielsätzen vorgestellt und machen die neu erlernten Wörter gleich etwas anwendungsfreundlicher. Das Besondere an busuu ist der Kontakt mit Muttersprachlern. Im Gegensatz zu den anderen Apps lässt dich busuu freiere Texte schreiben, die dann von Muttersprachlern korrigiert werden. Dafür musst du im Gegenzug Texte von Deutschlernern korrigieren. Man kann dabei natürlich auch Pech haben, wenn man an einen faulen Korrekturleser gerät.

Einen Teil der Lektionen kann man kostenlos nutzen, für Zusatzfunktionen wie Grammatiklektionen oder den Offline-Modus braucht man jedoch die Premium-Version. Da man Sprachen aber nicht ohne Grammatik lernen kann, kommt man um diese leider kaum herum. Die kostenlose Version eignet sich deshalb höchstens als Begleitung zum Spanischunterricht.

Bei busuu hat man die Auswahl zwischen zwölf Sprachen, auch außereuropäische Sprachen wie Chinesisch, Japanisch und Arabisch sind dabei. Dabei kommt man etwas günstiger weg als bei babbel. Je nach Vertragslaufzeit kostet die Premiumversion zwischen aktuell 2,70€ im Angebot bis zu 10€ im Monat. Anders als bei babbel kann man für diesen Preis aber alle Sprachen gleichzeitig lernen. Ob das bei 12 Sprachen sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Fazit

Alle drei Apps haben einen relativ ähnlichen Aufbau mit thematischen Einheiten und bauen Lese‑, Hör- und Schreibübungen ein. Babbel bietet sogar Sprechübungen an. Das Vokabellernen fühlt sich mit den Apps deutlich entspannter an als mit dem klassischen Vokabelheft. Für den Grammatikteil kommt man um die kostenpflichtigen Versionen leider nicht herum. Grammatik und Aussprache sind damit die größten Schwächen beim Lernen via App. Ausgleichen könnt ihr das zumindest teilweise durch zahlreiche Youtube-Videos, in denen die Regeln meist kurz und anschaulich erklärt werden.

Welches die richtige App für einen selbst ist, ist nicht so einfach herauszufinden. Mit Duolingo kann man kostenlos die Grundlagen lernen, babbel punktet durch abwechslungsreiche Lektionen und eine Spracherkennung und busuu durch den Kontakt zu Muttersprachlern. Es kommt darauf an welcher Lerntyp man ist.

Fest steht aber, keine dieser Apps allein bringt dir die richtig Sprache bei. Gerade für das Sprechen ist letztendlich der Sprachkurs oder ein Sprachtandem an der Uni unvermeidlich. Apps können dabei eine eine praktische Unterstützung sein. Zum Essen bestellen im nächsten Spanienurlaub reicht es mit ein wenig Übung allemal.

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